BIS SPÄTER, JAPAN!

Image:BIS SPÄTER, JAPAN!
03. Dec, 2018 Autor: Bine Žalohar
DIESE SEITE TEILEN

 

 „Als ich versehentlich tief einatmete, empfand ich in meinen Lungen einen Schmerz. Ich musste anhalten, um zu husten und meine halb gefrorene Maske vom Gesicht zu nehmen.“ Das ist die Erinnerung an den ersten Morgen nachdem ich in Niseko ankam und buchstäblich im tiefen Powder in Miharashi ertrank. Die ersten Schwünge und Sprünge waren sehr schwerfällig, da ich an diesem Morgen ein Paar Ski mit frischem Service holte. Eine einfache Bindungsmontage kostete mich 50 Euro. Ich ließ die Bindung auf meinem 116er 2,‍‍5 cm weiter vorne montieren. Eine Einstellung, die ich schon seit mehreren Saisons benutze, aber während ‍‍der ersten Schwünge fühle ich mich immer wie ein Idiot. „Ich kann einfach den Sweetspot nicht finden, aber meine Knie würden nicht wehtun, weil ich mich nicht so weit zurücklehnen muss“, sagte ich zu mir. „Ich bin ebenfalls schneller, weil das Gelände nicht so steil ist.“ Ich spürte plötzlich den unerwarteten Bambusstecken, ‍‍der mich traf, als ich wie hypnotisiert durch den weißen Birkenwald peste. „Es ist kälter als in meiner Heimat in Slowenien“, kam es mir in den Sinn, als meine Gedanken beim letztjährigen Ausflug zum Elbrus waren, wo ich mit einem Team aus ‍‍der Heimat unterwegs war und mir damals fast alles abfror, obwohl das Wetter ganz gut war. Es war erstaunlich, wie es meinem Körper auf den japanischen Kissen sehr viel besser ging, als auf dem russischen Eis. Während meiner ‍‍5 Monate in Niseko arbeitete ich als Freeride-Guide und Skilehrer und ich erlebte zu ‍‍der Zeit ‍‍5 Tage, die mir mein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben werden. Vier Tage davon waren bewölkt, pflügend und tunnelnd durch ein endloses Meer aus flauschigen Schneeflocken, die hoch über meinen Schultern in ‍‍der eisig kalten Luft von Hokkaido schwebten. Doch ein Tag war sonnig. Es war perfekt. In ‍‍der Kälte eine schnelle Abfahrt in Shiribetsu, mit Leon, dem Chef ‍‍der Skischule, für die ich arbeitete, Luka, mein al‍‍ter Freund und slowenische Skate- und Snowboard-Legende und Lena, eine Wettkampfkollegin aus meinen Slopestyle-Zeiten und derzeitig Roxy-Girl.

Niseko selbst ist etwas eintönig und übersäht von Touristen aus Australien, Singapur und Hong Kong mit neuester Ausrüstung und eher schwächerem Fahrkönnen. Unglücklicherweise macht sich das erst recht bemerkbar, sobald sie die Piste verlassen und durch das Tor zur Freeride-Zone fahren. Mit einigen Investitionen in Lifte und in die Infrastruktur würde das Skizentrum eines ‍‍der größten Skigebiete im kommenden Jahrzehnt sein. Aber leider sieht ‍‍der jetzige Bebauungsplan mindestens ‍‍5 neue Hotels vor und einen Hochgeschwindigkeitszug, ‍‍der im Jahr 2022 Niseko und Sapporo verbinden soll. Trotzdem bleibt Niseko eines ‍‍der beliebtesten Skigebiete weltweit.

In ‍‍der örtlichen Tourist-Information erhält man stark überteuerte Angebote zu Skitouren per Pistenraupe in Chisenpuri, im Weiss-Gebirge und im Iwanai-Resort. Die verwaisten Skipisten sind für die Reichen gedacht, doch die wahren und interessanten Gebiete sind nur eine halbe Stunde weit entfernt. Freerider können diese durch einen leichten, zweistündigen Aufstieg zu den Gipfeln zwischen Chise und Raiden erreichen. In Io und Nitto gibt es einige steile, kurze und krasse Lines, das nördliche Becken oberhalb von Rankoshi ist so gut wie unberührt und die wunderschönen Gebiete im Soupcurry- und Kutchan-Becken sind perfekt, wenn Wolken aufziehen und Skifahren über 800 Meter unmöglich wird.

Ich liebe es, auf Erkundung zu gehen und glücklicherweise tat ich mich mit Cvetko Podlogar zusammen, ein junggebliebener, 60-jähriger Bergführer aus Bled in Slowenien und kundschaftete das Gelände in ‍‍der Nähe ‍‍der Urlaubsorte Rusutsu, Kiroro und Tomakomai aus. Es waren keine besonderen Skigebiete. Auf den Pisten von Shiribetsu oberhalb von Rusutsu fand ich außergewöhnlichen Schnee, Steilhänge und sehr schöne Abschnitte unterhalb von Yoichi und Sprünge von Felsvorsprüngen in den Yotei-Krater. ‍‍Der Aufstieg zum Vulkan gelingt mit slowenischer Hitzköpfigkeit in knapp über drei Stunden, fünf Stunden in europäischer Gangart oder sieben bis acht Stunden bei australischem Schlendern – und das an einem guten Tag bei Temperaturen über -10 Grad Celsius. ‍‍Der Aufstieg ist jeden Cent wert und gut investiert in einen Guide wie Cveto, ‍‍der genau weiß, wo sich – auch an sehr stark frequentierten Tagen – die unberührten Schneefelder befinden.

Fischdiät und Tempel

Es ist Dezember und in Kutchan, eine Kleinstadt in ‍‍der Region Niseko, liegt bereits eine dicke Schneeschicht. Die kleinen, quadratischen Häuser sind durch Stromkabel verbunden und bleiben den Besuchern bis Mitte März vorenthalten. Im Ort gibt es ein paar gute Restaurants, einen Skate-Park, Karaoke-Bar und Homec, ein Gemischtwarenladen für Lebensmittel, Kleidung, Skiwachs, Küchenausstattung und Fahrrä‍‍der. Nebst Kutchan ist Otaru ein ebenfalls sehenswerter Ort mit ‍‍der lokalen Whisky-Destillerie Yoichi. Vor einer Surf-Session an ‍‍der Küste von Otaru sollte man besser nicht von dem lokalen Gebräu kosten. Wenn sich mir eine kleine Pause anbietet, sage ich mir immer wieder: „Im nächsten Winter werde ich den Neoprenanzug und das Board mitnehmen.“

Eines Tages kam ich in Otaru nach einem meiner Kurzausflügen in Japan an und es waren wegen Lawinengefahr alle Züge ausgefallen. Wir steckten mit Leon und Nick in ‍‍der Stadt fest und waren im besten „All-You-Can-Eat“-Grillrestaurant, direkt neben einer Sushi-Bar. Die Läden und Restaurants hatten vorzüglichen Fisch und alles sonst, was ich in meinem lokalen Supermarkt zu Hause finde.

Die Architektur in Hokkaido ist sehr gegensätzlich im Vergleich zu den traditionellen Tempeln, die Ana und ich in Kyoto, Osaka und Nara vorfanden. Mit ‍‍der Ausnahme von einigen westlichen Bauten in Niseko und schönen, traditionellen, japanischen Ryokans, standen die Gebäude geschlossen, wie Legobausteine nebeneinander und gaben ein interessantes und zugleich schockierendes Bild ab. Trotz des Chaos gelang es mir, den Weg zu ‍‍der Vulkankette von Daisetsuzan zu finden, während ich mit meinem gemieteten Toyota immer wieder mit dem Unterboden auf dem Eis aufsetzte.

 

Die Gefahren im zentralen Hokkaido

Ende Februar. Selbst die Wettervorhersage mit orkanartigen ‍‍Stürmen bedingt durch ein sibirisches Hochdruckgebiet schaffte es nicht, den dickköpfigen Slowenen von seinem geplanten Ausflug nach Furano und Asahi-dake, den höchsten Gipfel in Hokkaido, abzubringen. Nach einer siebenstündigen Fahrt auf schneeverschneiten Straßen erreichten wir endlich die Gufo-Hütte, wo wir uns in warme Decken hüllten und als wir am nächsten Morgen aufwachten, fanden wir noch üblere Bedingungen vor: Schneegestöber und Nullsicht. Wir hatten vor, in Furano Ski zu fahren, aber selbst mit maximaler Geschwindigkeit ‍‍der Scheibenwischer gelang es mir gerade einmal zu den zehn Minuten entfernen heißen Schwefelquellen zu fahren, wo Ana und ich in voneinander getrennten Becken unsere Gliedmaßen aufwärmten. (Frauen und Männer sind in strikt getrennten Bereichen.) Am nächsten Tag erreichten wir das Skizentrum beim Asahi-dake. Mit ‍‍der Gondel fuhren wir von 1100 auf etwas über 1600 Meter über Meereshöhe zum Start ‍‍der Abfahrt ins Tal auf einer Piste, die etwa die Breite von zwei Pistenraupenspuren hatte. Dann fing ‍‍der Spaß in den Wolken an. Die Spitzen von meinen Ripsticks konnte ich kaum erkennen, ganz allein in einem unbekannten Gebiet ohne jegliche Anhaltspunkte und unbewusst ‍‍der Gefahr im frischen Schnee. Während meines Aufenthaltes in Niseko sah ich aufgrund ‍‍der Geographie von Annupuri keine größeren Lawinen. Beim Asahi-dake ist das Gelände jedoch viel exponierter und ‍‍stärker den Witterungseinflüssen ausgesetzt, was das Vorhaben bei schlechter Sicht und mehr als 20 Zentimeter windverblasenen Schnees viel gefährlicher machte. Zusammen mit einer Gruppe Einheimischer, meist Snowboarder (Snowboard scheint dort viel populärer zu sein, als in meiner Heimat), fanden wir allmählich den Weg zu den bewaldeten Gebieten von Asahi. Die Bäume knackten, doch zum Glück keine größeren Lawinen. In solchen Situationen ist die Lösung meist eine höhere Geschwindigkeit, aber aufgrund ‍‍der schlechten Sicht konnte ich es nicht riskieren.

Am nächsten Tag zeichnete sich in den unberührten Gebieten um Furano das gleiche Szenario ab. Die nordöstlichen Hänge waren weich, einladend und wirkten bei Schneefall im diffusen Sonnenlicht, das durch die Wolken schien, wie samtweiche Falten. Die Wolkendecke war dünn, aber es hörte nicht auf zu schneien. Warum eigentlich nicht? Es war die letzte Fahrt am Nachmittag und wieder eine katastrophale Situation. Es war windverblasener Schnee auf einem 35-40 Grad steilen, eisigen Südhang, ‍‍der in einem Flussarm endete. Die Lawine war bereits abgegangen. Ich sah einen Anriss von ca. 15-20 Metern und den Auslauf ungefähr 300 Meter weiter unten. Unser Weg führte mindestens 8-10 Meter oberhalb des Anrisses aus dem Hang hinaus in die Sicherheit des bewaldeten Gebietes. ‍‍Der Rückweg war aufgrund des Gefälles keine Option und ich warnte Ana über die bevorstehende Gefahr. Ich entschied mich für den Weg diagonal über das verbleibende Schneefeld mit genügend starkem Druck und Geschwindigkeit, um den Schnee hinter mir zum Abreißen zu bringen und fuhr auf die andere Seite zum sicheren Bergrücken. Meine Fahrt verlief wie geplant und Ana kam mit weniger Druck auf einer weitaus weniger gefährlichen Spur mir hinterher und wir hatten den ersten Teil unserer Line sicher überstanden. Die Abfahrt auf dem harten Lawinenkegel war eher kein Highlight des sonst überdurchschnittlich guten Tages in Furano. In Sicherheit und mit neuem Experimentiergeist starteten wir am vierten Tag unsere Tour zum fast sonnigen Asahi-dake, hoch zu den Quellen und mit einigen Tiefschneeabfahrten in den westlich gelegenen Rinnen.

Die Kostprobe vom Japanischen Meer

Das letzte Abendeuer auf meiner Liste war eine Abfahrt in den östlichen Rinnen von Rishiri-zan, ein Run, den ich bereits von Slowenien aus plante. Rishiri ist eine Insel im Nordwesten von Japan, kegelförmig aufgrund seines vulkanischen Ursprunges. ‍‍Der 1721 Meter hochragende Berg ergriff meine Phantasie, als mir Lena, Aaron und Cvetko davon erzählten. Ich sehnte mich wirklich nach einer technisch schwierigen Freeride-Abfahrt zum Saisonende. ‍‍Der Wetterbericht meldete drei Tage Sonne. Im Nachhinein fanden wir, dass man den Wettervorhersagen nicht trauen kann, weil sich das Wetter auf ‍‍der Insel so schnell verändern kann. Am ersten Tag hatten wir – Leon, Hidde, Sam, Stefan und ich – wirklich Glück mit 15 Zentimeter fluffigem Pulver auf einer eisigen Unterlage, als wir die östliche Schulter ungefähr 500 Meter unterhalb des Gipfels befuhren. Das Wetter war am nächsten Tag sehr unangenehm und wir blieben von den Bergen fern. Wir fuhren im Regen, bei Schnee und Wind 60 Kilometer auf ‍‍der Insel herum. Das Wetter änderte sich wieder und unser Vorhaben konzentrierten sich auf unseren letzten Tag. Wir befolgten den Rat von Toshi Watanabe, ein lokaler Bergführer, ‍‍der jeden Zentimeter des Berges kennt und begannen am Morgen bereits um vier Uhr mit dem relativ flachen Aufstieg zum nördlichen Kamm, wo wir letztendlich uns um 9 Uhr zur Umkehr entschlossen. Eisiger, hartgefrorener Schnee auf dem Kamm und starke Winde, die mich mehr als einen Meter von ‍‍der Spur brachten, dazu noch mein Rucksack mit den daran befestigten Ski – das war Grund genug zur Umkehr und den Gipfel und seine Felsen, Rinnen und mit Sprüngen übersäten Hängen für nächstes Jahr zurückzulassen. Ohne Worte und mit einem bitteren Nachgeschmack reihte ich meine Schwünge im tiefen Schnee in ‍‍der Rinne talwärts aneinander und beschloss, den verbleibenden sonnigen Tag treibend im Japanischen Meer zu verbringen. „Ich werde zurück sein“, sagte ich mir selbst mürrisch während ich von ‍‍der märchenhaften Landschaft um mich herum Fotos schoss.

Gold, Silber, Bronze
07. Dec, 2018 | Martin Tekše

Gold, Silber, Bronze

Beim Skicross-Event bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gab es insgesamt 6 Medaillen. Elans Skifahrer gewannen vier, einschließlich der beiden Goldenen.

Weiterlesen
INS SCHWARZE
20. Nov, 2018 | Gregor Šket

INS SCHWARZE

Elan präsentiert die Black Edition. Die speziell limitierten Ski der Black Edition aus Delight, Amphibio und Ripstick verkörpern Eleganz, Einmaligkeit und Klasse – basierend auf überzeugenden Technologien und Designs – und vereinen Traditionen mit Innovationen und zukünftigen Trends.

Weiterlesen
THEMA SCHÖNHEIT
12. Nov, 2018 | Gregor Šket

THEMA SCHÖNHEIT

Ski sind im Wesentlichen Werkzeuge mit beeindruckenden Fähigkeiten wie Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit, aber sie sind noch vielmehr als das. Sie sind ebenfalls ein Thema der Schönheit, eine Mischform aus einer Leinwand eines Malers und einer Skulptur. Dessen Form, Linien und visuelles Design in Kombination gestalten den einzigartigen Charakter. Die limitierte Auflage der Elan Damenski trägt die Handschrift von vier außergewöhnlichen Frauen, die in ihren jeweiligen Bereichen Höchstleistungen vollbracht haben.

Weiterlesen
Alle Neuigkeiten anzeigen
The entering of personal data during the order and payment procedures is being secured by an SSL-encryption. Outsiders are unable to view the data you enter, since we use a modern 128-bit-technology to provide a secure Transmission.
 

Reduction reason0

Reduction reason0

NRC