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31. Jan, 2019 Autor: Gregor Šket
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Slowenien ist ein kleines Land. Es dauert nur eine halbe Stunde, um es mit dem Flugzeug zu überfliegen, ob von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Das erste was man bei einem Blick aus dem kleinen Flugzeugfenster erkennt, ist die vielfältige Landschaft. Es ist unvorstellbar, dass so ein kleines Land alles widerspiegelt, was die Geographie zu bieten hat – Seen, Ebenen, Hügel… aber das bedeutendste in diesem Potpourri an Impressionen sind die Berge und Wälder. Die Berge stehen als Synonym zum Skifahren, wobei die Wälder uns an Holz denken lassen. Es überrascht nicht, dass die Slowenen so verrückt aufs Skifahren sind. Im Sinne jedes einzelnen Wortes. Wir lieben das Skifahren. Und wir können es recht gut. Und wir wissen seit jeher, wie man Ski baut. Seit über 70 Jahren ist Begunje die Heimat von Elan, unser nationaler Stolz, ein Unternehmen was den Skisport seit Beginn an durch Innovationen verändert und geprägt hat.

Slowenien bietet alle nötigen Voraussetzungen, um großartige Ski zu bauen, an erster Stelle die wahre Liebe für Winter und Schnee. Der berühmte Schriftsteller und Historiker der Renaissance Johann Weikhard von Valvasor schrieb bereits über Skifahrer aus Bloke in Slowenien im Jahr 1689. Es ist landesweit in unserer DNA. Und es ist der Traum eines jeden Skifahrers, sich seine eigenen Ski zu bauen. Die Leidenschaft seine eigens kreierten Ski zu fahren wurde durch den legendären Skifahrer, Skispringer und Innovator Rudi Finžgar vollendet. Er begann Ski für sich und seine Freunde zu bauen und führte dies im Zweiten Weltkrieg fort, indem er Ski für die Partisanen baute. Nach dem Krieg baute er Ski für jedermann. Rudi Finžgar war der Urvater von Elan, ein kurz nach dem Krieg gegründetes Unternehmen. Die Gründung von Elan komplettierte die Geschichte der Slowenen vom Skifahren. Der Kreis schloss sich. Elan repräsentiert nicht nur die Liebe und Begeisterung fürs Skifahren, sondern auch das Wissen, die Tradition, das Bewusstsein und den Respekt gegenüber der slowenischen Natur, mit einer Fülle an Holz, die wichtigste Zutat eines guten Skis.

Slowenisches Holz

 

Slowenien ist ein Land der Wälder. Das Waldgebiet deckt nahezu 60 Prozent des Landes ab. Das bedeutet, dass praktisch jede Stadt, jede Gemeinde und jedes Dorf von Wald umgeben ist – ein immens komplexes Ökosystem bestehend aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Die slowenischen Wälder beheimaten über 960 verschiedene Pflanzenarten. 71 davon sind Bäume – 10 Nadelbäume und 61 Laubbäume. Ein paar ausländische Baumsorten florieren ebenfalls, nachdem sie von außerhalb eingeführt wurden. Die am häufigsten vertretenen Sorten sind Buchen und Fichten. Die Wälder bieten ein zu Hause für 95 Vogelarten, 70 Arten Säugetiere, 17 Arten Amphibien und 10 Reptilienarten.

Unsere Wälder verarbeiten jährlich ca. 7,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid und produzieren damit Holz und geben ca. 5,5 Millionen Tonnen Sauerstoff ab.

 

Sie schützen die Böden vor Erosion und verhindern Erdrutsche, speichern bei Regen das Wasser und verhindern eine exzessive Verdunstung. Wälder regulieren ebenfalls die Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Orte in der Nachbarschaft von Wäldern sind in den heißen Sommermonaten etwas kühler.

 

Das Hauptprodukt der Wälder ist Holz, ein Material, das bereits seit der Geburt der Menschheit unser treuer Begleiter ist. Dessen komplexe Einfachheit ist der Ursprung von Kultur und Kunst. Es versteckt sich hinter den klangvollen Tönen einer Violine, dem Wissen eines Buches und vielen anderen Dingen. Holz begleitet uns bei jedem unserer Schritte, von der Wiege bis ins Grab. Jeder Baum ist einmalig in seiner Art.

 

Wir verwenden Holz für unsere Möbel, um Häuser zu bauen, für Werkzeuge und Zubehör, Ornamente und Feuer… und selbstverständlich Ski. Dieses noble Naturprodukt ist das Herz der Ski. Aber ein Ski ist ein widerstandsfähiges Tier. Es geht zur Arbeit, wenn es draußen noch dunkel ist. Es arbeitet sich ab beim kältesten Wetter. Dessen Ausdauer kennt keine Grenzen. Ein Ski kann gebogen, gekrümmt und gequält werden – auf fast jegliche Art und er wird sich niemals beklagen. Nichts vermag sich den Carving-Schwüngen in engen Bögen in den Weg stellen, gerutschte Powerslides, geradlinige Rinnen, schwebend im Tiefschnee – und das fortwährend den ganzen Winter, von November bis Mai. Ohne Holz wäre das alles gar nicht möglich.

 

Holzkern

 

Sobald Elans Entwicklungsingenieur Marko Kozjek von Holz zu erzählen beginnt, leuchten seine Augen auf: „Holz ist das wichtigste Konstruktionselement eines Skis. Im Wesentlichen ist es ein Abstandshalter zwischen der Oberfläche und der Unterseite mit den tragenden Schichten, aber aufgrund der außergewöhnlichen Dämpfungseigenschaften ist es so gut wie unersetzlich. Es lässt sich nicht durch Carbon-Fasern oder synthetische Füllkörper ersetzen. Ich kann mir keinen einzigen Top-Ski vorstellen, der keinen Holzkern hat. In der Theorie lässt sich ein Ski aus künstlichen Materialien mit denselben statischen Eigenschaften bauen. Aber im Schnee würde er keine Vibrationen dämpfen und würde nicht die Spur halten.“ Konstrukteure von Leichtflugzeugen und Geigenbauer würden wahrscheinlich ähnlich über die Vorzüge von Holz als Werkstoff berichten. Es wird erzählt, dass die legendären Stradivarius Violinen aus einem Holz gefertigt wurden, das dem Fichtenholz aus der Pokljuka sehr ähnelt. (Die Pokljuka ist eine alpine Hochebene im Nordwesten Sloweniens und liegt in den Julischen Alpen auf etwa 1300 m.) Kozjek hat eine interessante Anmerkung: „Wenn eine Fichte niemals aufhören würde zu wachsen, würde sie bei einer Länge von 75 Kilometern aufgrund ihres Eigengewichts brechen – das ergäbe sich aus den erstaunlichen, physikalischen Körpereigenschaften bei einer bestimmten Masse – und wie verhält sich das im Vergleich? Jedes andere Material würde eher zusammenbrechen, inklusive Stahl.“ Leider kann die Kunst des Skibauens nicht auf Fichtenholz zurückgreifen, da die verfügbaren Kernhölzer eine zu geringe Astreinheit haben, bzw. zu viele Knoten aufweisen. Doch dieses Problem ist nicht unlösbar. Das erinnert mich an einen Vergleich mit der berühmtesten Rockband der Welt – die Rolling Stones. Als sie in China zum ersten Mal auftraten, erhielten sie vom chinesischen Kultusministerium eine Songliste, in der nach deren Meinung die moralisch fragwürdigen Songs aufgelistet waren und somit unangemessen für eine öffentliche Aufführung seien. „Nur gut, dass wir von über 500 Songs auswählen können“, war die Antwort von Mick Jagger. Die Geschichte ist vergleichbar mit dem slowenischen Holz und Ski. Für den Skibau haben wir sehr viele verschiedene Holzsorten zur Hand. In den Vierzigern baute Rudi Finžgar die Ski aus Eschenholz, da es gute Biegeeigenschaften hat und das Biegen gut verkraftet. „Esche kann man kochen und biegen. Es hat lange und dicke Fasern und sehr wenig Asteinschlüsse“, erklärt Kozjek. Als man in den Sechzigern bei der Skikonstruktion mit der Verwendung von Fiberglas begann, wurde die Esche in den meisten Fällen durch das leicht zugängliche Buchenholz ersetzt. Die Skitechnologie konzentrierte sich zunehmend auf die Entwicklung von Traglast-Elementen, speziell Materialien aus Composite (Verbundwerkstoff). Anfangs nutzte man die Struktur nur um den longitudinalen Kräften entgegenzuwirken und ließ die torsionale Steifigkeit außer Acht. Spätere Entwicklungen führten zu einem mehrschichtigen Composite mit longitudinalen, transversalen und diagonalen Faserverläufen, wodurch die erforderlichen Charakteristiken für Ski besser umgesetzt wurden. Das hatte jedoch ein weiteres Problem zur Folge. Materialien aus Composite sind sehr schwer. Die Industrie wendete sich immer mehr künstlich hergestellten Materialien anstelle von Holzkernen zu, um das Gewicht der Ski zu reduzieren. Das war jedoch von kurzer Dauer und man kehrte wieder zum Holz zurück. Speziell bei Tourenski, wo Leichtgewichtigkeit von großer Bedeutung ist, nutzten die Entwickler gewisse Edelhölzer. Ebenso erwiesen sich synthetische Kerne als ungünstig bei Freeride Ski, wo ein annehmbares Gewicht mit der entsprechenden Torsionssteifigkeit und Reaktionsfreudigkeit aufgrund variierender Schneeverhältnisse zu kombinieren war. Für diese Anforderungen wurde zunehmend Pappelholz verwendet.

Gewisse Ski bestehen aus einer Kombination verschiedener Holzarten, was es den Entwicklern erlaubt, die jeweils besten Eigenschaften der jeweiligen Hölzer zu kombinieren. Ein kleiner Nachteil von Holz ist die mangelnde Homogenität. Bei zwei Pappelholzbrettern jeweils aus verschiedenen Ecken aus Slowenien wird die Dichte ziemlich abweichen. „Dieses Problem kann man relativ einfach lösen. Wir verwenden Holzkerne aus zusammengeklebten Holzleisten. Damit erreicht man Homogenität. Bei Pappelholz sortiert unser Lieferant das Holz nach Gewicht vor – leichtes und schweres Pappelholz“, erklärt Kozjek.

Durch die modernen Trends und Konstruktionstechniken entstand ein gewisses Paradoxon. Auf den ersten Blick sehen Ski nicht danach aus, als ob sie aus Holz gefertigt wurden. Aber sie werden. Der Holzkern eines Skis ist elementar. Zudem wird Holz von Hand bearbeitet; denn gewisse Arbeitsschritte können nicht mit einer Maschine bewerkstelligt werden. Aus diesem Grund besitzen der Chef-Handwerker und die Handwerkerin bei Elan einen großen Erfahrungsschatz an Wissen. Vor allem wissen sie nur zu gut, warum die Fabrik in Begunje jedes Jahr mehr als 600 Kubikmeter Holz verarbeitet. Bretter in Rohform werden in der Fertigung angeliefert und liebevoll in eine Form verwandelt, die sich vielmehr dazu eignet, auf den verschneiten Pisten zu carven.

“Der Holzkern eines Skis ist elementar. Er ist Markenzeichen für das Vertrauen und die Qualität des Produktes.

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