Offene türen

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03. Sep, 2018 Autor: Glen Plake
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Mein Großvater war jemand, der sich Neuem verweigerte, und ein altes Sprichwort zu der Zeit meint „R+R“ bedeutet „remove/repair“ (zu deutsch sinngemäß: defektes Teil herausnehmen und reparieren), alles konnte repariert oder nachgebaut werden Im Vergleich zur neuen Welt bedeutet „R+R“ „remove and replace“ (zu deutsch sinngemäß: defektes Teil herausnehmen und ersetzen). Über die Jahre wurden mir diverse Aufgaben übertragen und zunehmend wurde durch das Spielen mit einem alten Gokart mein Interesse geweckt. Wie die meisten Jungs zeigte ich eine Vorliebe für schnelle und laute Dinge und ich träumte davon, einmal einen Rennwagen zu fahren. Hot Rods war der Traum, in Wahrheit beinhaltete mein Leben als Mechaniker jedoch Fahrräder. Meinen alten Truck oder die Autos meiner Freunde zu reparieren, verbesserte meine Fähigkeiten als Kraftfahrzeugmechaniker, Motorräder ersetzten den Gokart und meine Liebe für Stockcar Rennen begann. Mein „wahres“ Leben mit Geschwindigkeiten begann, als ich „V driven flat bottom drag boats“ modifizierte. (zu deutsch: flache Hochgeschwindigkeitsboote, angetrieben durch einen V-Motor). Motiviert durch meine bisherigen Erfahrungen beschloss ich, dass es an der Zeit war, endlich selbst den Stockcar-Rennsport auszuprobieren. In der Nähe meines Sommerwohnsitzes befinden sich drei unbefestigte Rennstrecken und das Rennfahren auf den lokalen Rennstrecken wurde zum wöchentlichen Ereignis, beginnend mit der Einsteiger- bis in die Spitzenklasse. Es beschäftigte mich und es war der Ort, wo ich nach dem umfangreichen Terminplan im Winter meine Auszeit genoss. Im Laufe der Jahre erlange ich durch meine handwerklichen Fähigkeiten einen gewissen Bekanntheitsgrad. Ich bewerkstelligte 90 % aller Arbeiten selbst und meine Autos und Boote liefen und liefen immerzu.

Die Tür Öffnet Sich

Während eines Angelausflugs in Baja, Kalifornien schaute ich beim berühmte Baja 1000 Rennen zu und es lag an der Art des Rennens, dass die Vehikel innerhalb 24 Stunden immer an einem vorgegebenen Ort vorbeifuhren. Eines Morgens nach dem Start sah mein Vater und ich ein manövrierunfähiges Fahrzeug. Es blieb außerhalb der Funkreichweite und deren Mechanikern liegen. Ich bat meine Hilfe an und löste das Kraftstoffproblem, was die Ursache war. Wie es der Zufall so wollte, erkannten sie mich: „Bist du dieser Skifahrer, Glen Plake? Möchtest du einmal bei dem Baja 1000 Rennen mitfahren? Danke für die Hilfe…“ Acht Monate später nahm ich als Fahrer beim Toyota Celebrity Grand Prix in Long Beach, Kalifornien teil und ein Programmpunkt davon war eine Autoshow mit Rennfahrzeugen und der Truck, an dem ich Monate zuvor mithalf, war ebenfalls auf der Ausstellung. Ich erkundigte mich nach dem Fahrer und er war vor Ort und wir kamen erneut in Kontakt – das Angebot als Co-Pilot stand und ich nahm umgehend an. „Baja 500, machst du Witze?“ Als Kind hatte ich Poster davon an meinen Wänden… Lange Rede, kurzer Sinn: Nach knapp 50 Kilometern war unser Getriebe defekt und mit meiner Hilfe wechselten wir es und ich begann mit den anderen Jungs im Team zusammen zu arbeiten. In den nächsten 5 Jahren setzte ich meine Rennkarriere im Kia Racing Team fort und gewann 3 Meisterschaften, Siege bei Baja 1000, Teilnahme an der Paris-Dakar Rallye als Fahrer des 2. Teamfahrzeugs. Um ehrlich zu sein, ich kann mich zurücklehnen und stundenlang über Rennen erzählen, wenn nicht gar Tage…

Selbstkritik

Ich bin einer der bekanntesten Skifahrer auf der Welt. Mehr als 25 Jahre lang gesponsert und meine Heldentaten und Errungenschaften sind vielzählig: Filme, Auszeichnungen, hochalpine Expeditionen im Himalaya, Erstbesteigungen und -Befahrungen in den berühmtesten Bergregionen, in der ganzen Welt. Machen wir uns doch nichts vor, die gewerblichen Ansichten meines Großvaters sind passé und ich selbst bin nun frustriert darüber, dass ich in meinem Leben viel Zeit (und Geld) mit meiner Besessenheit als Mechaniker „verschwendet“ habe, um irgendwelche Dinge umzubauen und zu reparieren. Kannst du das Getriebe eines Chevy Trucks der 60er ausbauen, erneuern und wieder einbauen? Weißt du wie man das Ventilspiel eines 20k teuren 1500 PS Motors einstellt und traust du dir das zu? Ich kann es. Wie sind deine Schweiß- und Elektrokenntnisse? Schon mal einen Rennwagen aus Standard Rohrstücken aus Chromstahl gebaut? Ich tat es… Aber weißt du was? Und wenn schon! In der heutigen Zeit kümmert das keinen. Ich bin ehrlich und kritisch mir gegenüber.

Als Skifahrer verbrachte ich während einer Expedition einen Tag zur Akklimatisierung im Basislager, ruhte mich aus und machte mir Gedanken über meine bescheuerten Fähigkeiten als Mechanikers und in diesem Moment klopfte ein Freund an mein Zelt und fragte: „Glen, was denkst du, kannst du da irgendetwas tun?“ Seine Ski (nebenbei keine Elan) waren komplett auseinander gefallen, die einzelnen Laminate des Prototypen waren komplett „aufgeblättert“. So wie ich war, wurde mir der Name „Mr. Bricolage“ gegeben: Ich baute eine Behelfspresse und benutzte den Epoxid-Kleber aus meinem Werkzeugsatz und reparierte seine Ski ganze zwei Tage lang. Er fuhr die Ski während der Expedition noch zwei Monate lang. Diese Gelegenheiten ergaben sich über die Jahre hinweg immer wieder, Neuverdrahtung von Stirnlampen, Solaranlagen und andere auf Expeditionen anfallenden Reparaturen. Als wir mit unserem Fahrzeug im tiefsten Nepal mit einem Stein zusammenstießen und die vordere Achse beschädigt wurde, konnte ich – Glen „Mr. Mechanic“, wie ich von den Nepalesen genannt werde – richtig glänzen. „Unterstützung kommt Morgen.“ Nachdem ich ein paar verbogene Teile repariert hatte und ein paar andere Teile von einem anderen Fahrzeug hernahm, fuhren wir wieder und das in weniger als 3 Stunden. Ich werde mich niemals wieder über „verschwendete“ Fähigkeiten, Dinge reparieren zu können, fragen.

Von Der Nutzung Zur Entwicklung

Zu Beginn einer Förderung oder eines Sponsorings „benutzt“ man die Produkte nur – eventuell wird man mit einigen Tests beauftragt oder nach einem Kommentar zur Produktentwicklung gefragt und was womöglich eher selten ist, man wird vielleicht gefragt, ein Produkt zu entwickeln. Natürlich ist zu diesem Zweck das Arbeiten im Team sehr wichtig und aufgrund meiner Erfahrungen in den Läden meines Großvaters und Onkels fiel mir dies ziemlich leicht. Meine Erfahrungen im Umgang mit Maschinen und meine Hingabe verschaffte mir Glaubwürdigkeit bei den anderen im Team. Bei der Erstellung von Prototypen mitwirken zu dürfen, sie zu modifizieren und zu testen, macht mich sehr stolz. Ob bei Ski, unzähligen Projekten zu Schuhen, Bindungen, oder Kollektion von Kleidung, durch die Praxiserfahrung in den Läden war ich in der Lage einige coole Dinge in Zusammenarbeit mit Unternehmen zu tun und ich „benutzte“ sie nicht nur. Einige Produkte konnte ich dadurch sogar der Öffentlichkeit präsentieren und damit das Skifahren erleichtern.

Gelegenheiten

Am Anfang half ich einem örtlichen Skivertreter, um meine ersten Freeride Ski zu bekommen; die Chance in einem Film Ski zu fahren; nicht den Flug zurück in die Staaten zu nehmen, sondern in Europa zu bleiben; die unorthodoxe Zusammenarbeit mit Sponsoren; die Heirat mit Kimberly; vernünftig werden und nicht im Gefängnis landen; die Reparatur eines Rennautos in Mexico, um die Chance für eine Fahrt zu bekommen – mein Leben war übersäht mit Gelegenheiten und sich öffnenden Türen, wovon das meiste keinen Sinn ergab und einiges verlangte nach einer rigorosen Entscheidung und ich entschied mich immer dafür, durch die offenen Türen und über die Schwelle zu gehen, ohne zu wissen, was mich auf der anderen Seite erwartete. Es ist ein Klischee, aber Chancen würden sich nicht bieten, wenn sie nicht dazu bestimmt wären. Die Wege des Herrn sind unergründlich…

Glen Plake

Glen Plake

Glen Plake

„Halte dich nächste Woche für die Abfahrt bereit.“ Wohin? Wofür?

Juli 2017

Das Telefon klingelt: Es ist die Frau eines Freundes, ironischerweise ist sie eine Freundin aus Zeit der Kia Rennen und sie castet für TV-Shows: „Glen, fährst du noch Rennen?“ Ich antworte: „na klar, lokale Veranstaltungen zum Spaß.“ Sie sagt: „Kannst du mir eine Biographie zum Rennfahren schicken? Sie interessieren sich nicht wirklich für deine Skikarriere“, sagt sie, „und vielleicht Morgen ein Skype Interview?“ Es stellte sich heraus, der Sender „History Channel“ bringt eine Show mit einem 4x4 Truck Wettbewerb heraus und sie suchen nach einigen Betreuern und Legenden und meinen, ich sei dafür geeignet. Bio geschickt, Interview gemacht, eine Woche später „Chemietest“ mit den anderen: Im Verlauf des Tages interagiere ich mit Experten der Industrie und anderen Jungs, deren Wissen mir deutlich überlegen ist, aber es stellt sich heraus, dass ich mich behaupte und das eine oder andere beisteuern kann. Am Ende des Tages werde ich gefragt: „Bist du für den Monat August verfügbar?“ Für gewöhnlich ist das meine Urlaubszeit. Totenstille, nicht ein Wort, die TV Industrie ist bei manchen Dingen so seltsam. Eines Freitagnachmittags: Der Anruf, NDA (nondisclosure agreement, zu deutsch: Vertraulichkeitserklärung) und eine Überprüfung des Backgrounds, dann: „Halte dich nächste Woche für die Abfahrt bereit.“ Wohin? Wofür? Nachdem ich das NDA unterzeichnet hatte, kommen die Details zum Vorschein. Georgia? Ist es da im August nicht sehr heiß? Es wird in einem Steinbruch stattfinden, der in eine gigantische Spielwiese für 4x4 Wettkämpfe verwandelt wird, mit einem Preisgeld von 10.000 in jeder Episode, wovon es 10 geben wird. Unsere Aufgabe ist die Ausrichtung der Show als Mentoren und Trainer für die Teilnehmer, die sich mit ihren eigenen, persönlichen Fahrzeugen messen. Während des kommenden Monats lebe ich in der Welt des Reality-TV. Vierzehnstundentage, Sechstagewoche, einen Tag frei – siebzig Kameras, 150 Leute beim Dreh, die Hitze von Georgia, Feuchtigkeit, Wirbelstürme, alle zwei Tage der Dreh einer kompletten Show, fünf neue Wettbewerber in jeder Episode. Wie bei allen Abenteuern und Expeditionen entfaltet sich die komplette Geschichte während man sie erlebt und ich habe es immer geliebt, etwas in Erfahrung zu bringen im Gegensatz zum absoluten Plan, sogar bei meinen alpinen Touren. Es ist seit jeher die Frage nach den menschlichen Charakterzügen: Bist du ein Künstler oder ein Ingenieur? Ich habe immer den „Weg des Künstlers“ eingeschlagen und das Durcheinander und das Chaos bei einer TV-Produktion ist etwas, was mir sehr gefällt. Das Verhältnis unter den Betreuern und das Zusammenspiel mit unseren Teams verbesserte sich. Ich hatte großartige Erfolge, mein Team ins Ziel zu bringen, beim Ausarbeiten von Taktiken, beim Demolieren und Reparieren – es war ein Superspaß! Die „Truck Nacht in Amerika“ war geboren und sie wird wöchentlich im History Channel ausgestrahlt. Die Nacht der Premiere – in Wahrheit besteht nur eine sehr geringe Chance, dass eine TV-Show erfolgreich ist. Nach der Produktionsfreigabe verschoben sich die Termine vor und zurück, New York weiß alles und sagt wenig. Football, Olympia, Tag und Zeitpunkt in der Woche, jedes noch so kleine Detail spielt eine Rolle. Der 8. März 2018 ist schließlich die Nacht. Es ist Donnerstag 22 Uhr und ich halte die Daumen gedrückt, während ich die erste Episode in einer Bar in Kanada während einer MTN-Prüfung (zu deutsch: Prüfung zum Bergführer) ansehe. Ich schaue mich in der unbekannten Menge um: Es scheint den Leuten zu gefallen. Als die Einschaltquoten bekannt werden, sind es 1,4 Millionen und es sollte bei der 1 Millionenmarke für die gesamte Staffel so bleiben – was angeblich gut sein soll. Staffel 2? Wie auch bei der Auswahl der Betreuer und Legenden: die Telefone schweigen… Wird es eine 2. Staffel geben? Werden wir sie veranstalten? Ich kann voller Stolz sagen, dass ich letzten Freitag den Anruf erhielt. Zurück in Georgia im August…Bedeutet das, dass ich auch die 3. Staffel machen werde? Ich weiß es nicht. Wird es in Zukunft für mich eine Show als Skifahrer, Bergalpinisten und Outdoor-Begeisterter geben? In diesem Resort kann Ich nun mit einigen Erfahrungen dienen… Ich weiß eins, wenn sich die Tür öffnet, werde ich hindurchgehen, bis sich wieder eine andere öffnet. Wenn ich nicht beim Skifahren bin, dann werde ich Schrauben, Rennen fahren, zerschneide mir die Hände und mache sie fettig bei den Beschäftigungen, die ich schon immer als Ausgleich zum Winter gemacht habe, mit der Ausnahme, dass nun Millionen Leute darüber Bescheid wissen. Fortsetzung folgt…

Ski ya on „Truck Night!“
Glen

Gold, Silber, Bronze
07. Dec, 2018 | Martin Tekše

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INS SCHWARZE
20. Nov, 2018 | Gregor Šket

INS SCHWARZE

Elan präsentiert die Black Edition. Die speziell limitierten Ski der Black Edition aus Delight, Amphibio und Ripstick verkörpern Eleganz, Einmaligkeit und Klasse – basierend auf überzeugenden Technologien und Designs – und vereinen Traditionen mit Innovationen und zukünftigen Trends.

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